Ralf Salecker
Als eher ruhiger, aber aufmerksamer und geduldiger Beobachter habe ich mich seit über 15 Jahren mit einem ausführlichen touristischen Blick auf die Region beschäftigt. Mir ging es immer darum, Menschen neugierig zu machen, bei ihnen die Bereitschaft zu wecken, sich auf die scheinbar kleinen Dinge einzulassen und nicht nur die „lautstarken“ Bilder zu sehen. Folgerichtig entwickelte ich vor vielen Jahren die erste professionelle Internetseite zum Thema Tourismus in Spandau.
Mit geklont wirkenden Stockbildern konnte ich nie viel anfangen. Details suchen und finden, an denen andere achtlos vorübergehen, ist eher mein Ding. Da scheint immer noch der Naturwissenschaftler, der ich eigentlich bin, zu wirken. Studierter Lebensmittelchemiker, viele Jahre Arbeit in der Kraftwerksüberwachung, Werbeagenturen, einem Umweltinstitut, für eine eigene Zeitschrift und für andere gedruckte und digitale Publikationen haben aber immer Fotos als wichtigen Schwerpunkt gehabt.
Seit vielen Jahren fotografiere ich auch im Rahmen von „Soziale Stadt“ heute „Sozialer Zusammenhalt“ (ein seit 1999 bestehendes Programm der deutschen Städtebauförderung). Schwerpunktmäßig in Spandau, aber auch für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie Bezirksämter in ganz Berlin. Dabei dokumentiere ich Veranstaltungen von Menschen für Menschen, sowie in den Kiezen wichtige Örtlichkeiten. Wenn ich Aktionen, Workshops, Feste, Infoveranstaltungen usw. fotografiere, versuche ich, mich möglichst wenig aufzudrängen, ja, fast unsichtbar zu werden. Ein respektvoller Umgang mit den Menschen steht dabei immer an erster Stelle. Darum vermeide ich nach Möglichkeit auch den Begriff „Shooting“, der sich für mich eher nach hektischer „Schießerei“ anfühlt.
Dies gilt prinzipiell für meine Art des Fotografierens. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht so gerne fotografiert werden, sich am Schluss dann sehr über das Ergebnis freuen. Mit viel Geduld nehme ich Ängste und schaffe Vertrauen. Das ist mir persönlich sehr wichtig. So geschieht es dann auch, dass Fotoaktionen länger brauchen, bis die notwendige Entspannung hergestellt ist.
Fantastische Welten, deren Inszenierung und auch Porträt-Themen, die ihre Vorbilder in der Renaissance-Malerei finden, faszinieren mich sehr stark. Wer träumt nicht gerne, möchte nicht seinen Fantasien freien Lauf lassen, um in fremde märchenhafte Welten einzutauchen oder etwas darzustellen, was man im normalen Leben nicht ist. Gerade weil die reale Welt so ist, wie sie ist, liegt dieser Gedanke nahe – ohne aber die Bodenhaftung zu verlieren. Dieses Thema entwickelte sich zu einem wichtigen Standbein. Meine und eure Fantasien fotografisch umzusetzen, habe ich mir zum Ziel gesetzt.
Die Erstellung fantasievoller Welten ist nicht mit dem Klick auf den Auslöser erledigt. Jetzt beginnt ein sehr wichtiger Teil der Arbeit, nämlich die arbeitsintensive Bildbearbeitung mit umfangreichen Composings. Schicht auf Schicht werden weitere Bildbestandteile vor oder hinter das erstellte Foto platziert.
KI, künstliche Intelligenz, ermöglicht Veränderungen in den Bildern, die früher einen erheblich größeren Aufwand erforderten. Bildbestandteile lassen sich entfernen oder hinzufügen, ja sogar völlig neu schaffen. Richtig eingesetzt ist KI also ein wunderbares Werkzeug, um noch kreativer unterwegs zu sein. Dabei dürfen die Probleme, die sich aus einem Missbrauch dieses Werkzeugs ergeben, niemals vergessen werden.
