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Diäten: Politiker als Tagelöhner?

Immer wieder werden die Diäten deutscher Politiker intensiv diskutiert. Dabei geht es nicht um „Abnehm-Programme“ der gewählten Volksvertreter*innen. Sie müssen nicht ihren Gürtel enger schnallen. Woher stammt also die Bezeichnung? Hier nun ein kleiner Exkurs über Idioten, Politiker, Diäten und einen Obolos.

Da das fiktive Land Chryseia in der Welt Magira einen griechisch-byzantinischen Hintergrund hat, lohnt es sich, einen neugierigen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen. Schließlich muss auch die Simulation und Beschreibung eines ausgedachten Landes nicht im luftleeren Raum stattfinden. Fantasy und historische Betrachtungen müssen, gerade wenn die Realität immer wieder deutlich anklopft, keinen Widerspruch darstellen. Also schauen wir einmal zurück …

Für mich ist das aktuelle Geschehen eine willkommene Gelegenheit, Weltenbau, im Sinne einer Simulation einer Fantasy-Welt (im Rahmen Follows, also der „Fellowship of the Lords of the Lands of Wonder“), mit realen oder historische-mythologischen Wurzeln zu verbinden. Auch wenn eine Fantasy-Welt unendlich viele Freiheiten bietet, sollte sie doch irgendwie funktionieren.

Geschichte muss nicht trocken sein, wenn wir sehen, wie sehr die weit entfernt liegende Vergangenheit doch fest verwurzelt in unserer Gegenwart ist.

Diäten: Sprachliche Betrachtung

Das Wort „Diäten“ für die Politikerbesoldung und „Diät“ für die Schonkost klingen identisch, stammen aber aus zwei völlig verschiedenen etymologischen Strängen, ein klassischer Fall doppelter Wortgeschichte.

Der griechische Ursprung: díaita

Das altgriechische Wort δίαιτα (díaita) bildet den ältesten Ausgangspunkt. Es bedeutete zunächst ganzheitlich „Lebensweise“, also die gesamte Art und Weise, wie jemand sein Leben führt und seinen Unterhalt bestreitet. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Präfix di- („auseinander“) und aitasthai („nehmen, sich aneignen“), wörtlich also „sich den Unterhalt herausnehmen“. Hippokrates (etwa 460–370 v. Chr.) verengte den Begriff in der Medizin auf Ernährung und Lebensregime als Heilmittel; damit ist der Weg zur heutigen „Reduktionsdiät“ erklärt.

Das altgriechische Wort díaita bedeutete zunächst ganzheitlich „Lebensweise“ - später Entschädigung für die Teilnahme
Im Mittellatein entstand dieta, was zunächst „festgesetzter Tag“, dann „Tagung“ und schließlich auch „Tagelohn“ bedeutete. (KI-Illu: www.salecker.info)

Der lateinische Schlüsselbegriff: dies

Für den politischen Strang ist das lateinische dies („der Tag“) die entscheidende Wurzel. Im Mittellatein entstand daraus dieta, was zunächst „festgesetzter Tag“, dann „Tagung“ und schließlich auch „Tagelohn“ bedeutete. Somit könnte man Politiker augenzwinkernd als Tagelöhner bezeichnen. Die semantische Logik ist klar: Wer zu einer Tagung reiste, bekam ein Tagegeld, also einen tagesweise berechneten Auslagenersatz. Aus dieser Wurzel stammen übrigens auch die deutschen Bezeichnungen Bundestag, Landtag, Reichstag sowie die Wörter Tagung und das englische diet im Sinne von Parlamentsversammlung.

Das Französische als Transmissionsriemen

Der Begriff gelangte im 18. Jahrhundert über das Französische ins Deutsche. Das französische diète bezeichnete zunächst die Versammlung eines religiösen Ordens, dann allgemein jede Versammlung repräsentativer politischer Persönlichkeiten, die öffentliche Angelegenheiten regelten. Mit dem Übergang ins Deutsche wandelte sich die Bedeutung weiter vom Substantiv der Versammlung zum Substantiv der Entschädigung für die Teilnahme an eben dieser Versammlung.

Das etymologische Rätsel

Sprachwissenschaftlich ist die genaue Trennlinie bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Es gibt zwei konkurrierende Theorien:

  • Theorie 1: Der politische Diäten-Begriff leitet sich doch vom griechischen díaita her, in der Bedeutung „Lebensunterhalt“, und wurde im Mittelalter fälschlicherweise mit dem lateinischen dies verknüpft, weil man das griechische Wort nicht mehr kannte.
  • Theorie 2: Der politische Begriff ist eine vollkommen eigenständige mittellateinische Neuschöpfung aus dies = „Tag“ → dieta = „Tagegeld“, ohne jeden griechischen Einfluss.

Besonderheit: Pluraletantum

Das Wort „Diäten“ im politischen Sinne ist im Deutschen ein sogenanntes Pluraletantum; es existiert ausschließlich im Plural. Man sagt nie „die Diät des Abgeordneten“, sondern stets „die Diäten“. Diese Eigenheit unterstreicht die kollektive, institutionelle Natur des Begriffs: Gemeint sind nie einzelne Zahlungen, sondern das gesamte Entschädigungssystem.

Bezahlung von Politikern in der griechischen Antike

Die Entwicklung der Politikerbezahlung im antiken Griechenland war ein schrittweiser Prozess, der eng mit der Ausweitung der Demokratie in Athen verbunden ist. Dabei wurde die Beteiligung am politischen Leben lange Zeit als rein aristokratische Ehrenpflicht betrachtet; eine Bezahlung war schlicht undenkbar.

Die Frühphase: Ehrenamt ohne Entgelt

In der archaischen Zeit und zu Beginn der Demokratie war politische Teilhabe ausschließlich Angelegenheit der wohlhabenden Oberschicht. Da Adelige und Reiche von ihrem Landbesitz und Vermögen lebten, konnten sie problemlos Zeit für öffentliche Ämter aufwenden; ein Lohnausfall war für sie kein Problem. Die Vorstellung, für politische Dienste bezahlt zu werden, galt als aristokratisch unvereinbar, denn Staatsarbeit war Ausdruck von sozialem Prestige, nicht von Broterwerb. Heute kann man den Eindruck gewinnen, dass die aufgewandte Zeit für Nebenbeschäftigungen und die daraus resultierenden zusätzlichen Einnahmen die Zeit für das eigentliche Amt übersteigen. Politische Institutionen wie die Volksversammlung (Ekklesia) oder der Rat (Boule) funktionierten daher anfangs vollständig auf ehrenamtlicher Basis, mit der Folge, dass ärmere Bürger faktisch ausgeschlossen blieben.

Perikles und die ersten Diäten (etwa 462 v. Chr.)

Den entscheidenden Wandel leitete der Staatsmann Perikles um 462 v. Chr. ein. Er führte die sogenannte Geschworenenbesoldung (Misthos dikastikos) ein: Bürger, die in den Volksgerichten als Geschworene (Heliasten) tätig waren, erhielten erstmals ein Honorar, zunächst 2, später 3 Obolen pro Sitzungstag. Damit sollte sichergestellt werden, dass auch Handwerker, Bauern und Arme am Rechtssystem teilnehmen konnten, ohne ihren Tageslohn zu opfern. Kurze Zeit danach wurde dieses Prinzip auf den Rat der 500 (Boule) ausgeweitet: Auch dessen 500 Mitglieder erhielten fortan einen Sitzungslohn für ihre Tätigkeit.

Besoldung für die Volksversammlung (etwa 400–390 v. Chr.)

Obwohl die Volksversammlung das Herzstück der athenischen Demokratie war, blieb die Teilnahme dort zunächst noch unbezahlt. Aristoteles beschreibt das Problem plastisch: Die Bürger kamen einfach nicht in ausreichender Zahl, sodass die Prytanen (der geschäftsführende Ausschuss) immer wieder Tricks anwenden mussten, um eine beschlussfähige Versammlung zusammenzubringen.

Die Lösung kam durch den Politiker Agyrrhios, der um ca. 390 v. Chr. als Erster ein Tagegeld von 1 Obolos für den Volksversammlungsbesuch einführte. Sein Konkurrent Herakleides von Klazomenai erhöhte diesen Betrag auf 2 Obolen, woraufhin Agyrrhios ihn noch einmal auf 3 Obolen steigerte, eine politische Überbietungsrivalität zugunsten der breiten Bevölkerung.

Heute steigen Diäten nach anderen Regeln. Das soll hier aber nicht das Thema sein.

Der Gegenwert einer Obole

Eine Obole war eine kleine Silbermünze von ca. 0,73 Gramm und wog damit nur ein Sechstel einer Drachme. Trotz ihrer Kleinheit war sie keine Bagatelle; für alltägliche Kleinausgaben bildete sie die wichtigste Umlaufmünze in Athen.

Das Münzsystem im Überblick

Das attische Geldsystem baute auf folgender Hierarchie auf:

  • 6 Obolen = 1 Drachme
  • 100 Drachmen = 1 Mine
  • 6.000 Drachmen = 1 Talent (ca. 26 kg Silber)

Was man für eine Obole bekam

Für eine einzelne Obole ließ sich im klassischen Athen des 5./4. Jahrhunderts v. Chr. Folgendes kaufen:

  • etwa 3 Liter Wein (ein Chous), die gängigste Alltagsreferenz für den Wert der Obole.
  • Charonsfährgeld: Eine Obole genügte symbolisch für die Überfahrt ins Totenreich, weshalb man Verstorbenen eine Münze unter die Zunge legte.

Für 2 Obolen konnte man:

  • Einen Theaterbesuch bezahlen, was zugleich dem Tageslohn der Ärmsten entsprach.

Einordnung in den Lebensalltag

Der Vergleich mit Tageslöhnen macht den Wert am deutlichsten:

Tätigkeit/GutPreis in Obolen
1 Chous Wein (etwa 3 Liter)1 Obole
Theatereintritt2 Obolen
Richterdiät (ab Kleon, 425 v. Chr.)3 Obolen
Tageslohn eines einfachen Arbeiters6 Obolen (= 1 Drachme)
Sold eines Hopliten pro Tag6 Obolen (= 1 Drachme)
Sold eines Ruderers (Theten)3–6 Obolen
52 Liter Getreide (Medimnos)18 Obolen (= 3 Drachmen)

Ein gelernter Handwerker oder Soldat verdiente also rund 6 Obolen (1 Drachme) pro Tag. Die politischen Diäten von 3 Obolen deckten damit ungefähr den halben Tageslohn ab, genug, um den Verdienstausfall zu mildern, aber kein Ersatz für reguläre Arbeit. Für Kunstarbeiten am Parthenon erhielten Bildhauer 60 Drachmen pro Friesfigur, ein deutlicher Beleg dafür, wie gering die politischen Diäten im Vergleich zu qualifizierten Handwerkslöhnen waren.

Obolos und Tod

Der Obolus als Fährgeld für Charon ist eines der bekanntesten Symbole der griechischen Jenseitsvorstellung; er verband die ganz alltägliche Münze auf untrennbare Weise mit dem Tod.

Charon der greise, düstere Fährmann akzeptierte ausschließlich den festgesetzten Einheitstarif: einen Obolus.
Da eine Seele nach dem Tod keinen Geldbeutel bei sich tragen konnte, legten die Hinterbliebenen dem Toten eine Obole unter die Zunge. (KI-Illu: www.salecker.info)

Charon und die Unterwelt

In der griechischen Mythologie ist Charon der greise, düstere Fährmann, der die Seelen der Verstorbenen über den Totenfluss, meist den Acheron oder Styx, ins Reich des Hades bringt. Er war vollkommen unbestechlich und akzeptierte ausschließlich den festgesetzten Einheitstarif: einen Obolus. Ohne diese Bezahlung verweigerte Charon die Überfahrt, und die unglückliche Seele war dazu verdammt, hundert Jahre als rastloser Schatten am Flussufer umherzuirren, bevor er sie doch noch übersetzte.

Der Bestattungsritus

Da eine Seele nach dem Tod keinen Geldbeutel bei sich tragen konnte, übernahmen die Hinterbliebenen die Verantwortung: Sie legten dem Toten eine Obole unter die Zunge. Der Mund galt als Pforte der Seele und war zugleich der sicherste Ort, um die kleine Münze während der Bestattungsrituale nicht zu verlieren. Es konnte unangenehme Folgen haben, für den Betroffenen, aber auch für die Verwandten, wenn der Obolos nicht platziert wurde. Archäologisch ist dieser Brauch seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen; tatsächlich reichen erste Belege sogar bis in die spätgeometrische Zeit (etwa 700 v. Chr.) zurück. Ursprünglich diente die Münze im Mund möglicherweise als Mundversiegelung oder Schutzzauber, bevor die Bedeutung als Fährlohn in den Schriften des 5. Jahrhunderts v. Chr. explizit formuliert wurde.

Platzierungsvarianten

Nicht immer lag die Münze im Mund, archäologische Funde zeigen ein breites Spektrum:

  • Im Mund (unter der Zunge), die häufigste und symbolisch bedeutsamste Form.
  • In der Hand des Verstorbenen.
  • Auf den Augen, eine wissenschaftlich diskutierte, aber seltenere Variante.
  • Neben dem Körper.

Wer zahlte, wer nicht?

Die soziale Bedeutung des Brauchs war erheblich: Wer kein ordentliches Begräbnis erhielt, etwa unbestattete Gefallene oder Hingerichtete, hatte damit auch keine Münze und war im Jenseits schutzlos. Das erklärt, warum in der griechischen Welt die Verweigerung eines Begräbnisses als eine der härtesten denkbaren Strafen galt, nicht nur als Schande für die Familie, sondern als Verdammnis der Seele selbst. Satiriker wie Lukian verspotteten den Brauch als bürokratischen Hades-Zoll, während Dichter wie Vergil das Bild unsterblich machten: Unbestattete Seelen flehten hundert Jahre am Ufer um Überfahrt.

Nachleben des Begriffs

Der Brauch hat dem Obolus ein erstaunliches Nachleben beschert: Im Deutschen lebt er fort im Wort „Obolus“ für eine Abgabe, Spende oder Gebühr sowie im Ausdruck „sein Scherflein beitragen“, denn im Mittelalter wurde der lateinische Begriff Obolus auf den deutschen Scherf (eine kleine Silbermünze) übertragen, womit der Einheitstarif ins Jenseits über Jahrhunderte hinweg sprachlich erhalten blieb.

Idiotes im antiken Athen: Die, die sich nicht politisch betätigen

Eine kleine Abschweifung: Der Begriff Idiot bezeichnet heute etwas, dessen Bedeutung wir alle kennen. Idiotes (ἰδιώτης) war im antiken Athen ursprünglich keine Beleidigung, sondern eine sachliche Bezeichnung für einen Privatmann, also jeden Bürger, der kein öffentliches Amt ausübte und sich nicht aktiv am politischen Leben beteiligte.

Wortgeschichte und Bedeutung

Das Wort leitet sich vom griechischen Adjektiv ídios (ἴδιος) ab, das „eigen“ oder „privat“ bedeutet, also das genaue Gegenteil von „öffentlich“ oder „gemeinschaftlich“. Ein Idiotes war demnach buchstäblich jemand, der nur in seiner eigenen privaten Sphäre lebte und wirtschaftete, statt am Gemeinwesen teilzuhaben. Das direkte Gegenwort war Politès (πολίτης), der aktive, politisch engagierte Bürger.

Soziale Bewertung in der Demokratie

In der attischen Demokratie, die auf dem Grundsatz beruhte, dass jeder Bürger Verantwortung für die Polis trägt, hatten Idiotai einen schlechten Ruf. Von jedem männlichen Vollbürger wurde erwartet, an der Volksversammlung teilzunehmen, Ämter zu bekleiden oder zumindest für das Los bereit zu sein. Wer sich beharrlich verweigerte, galt nicht nur als sozial minderwertig, sondern konnte sogar bestraft werden; wer sich während der Volksversammlung demonstrativ dem Müßiggang widmete, riskierte Sanktionen.

Heute schimpft man gerne über „die Politik“ oder „die Politiker“. Doch wer von denen, die so laut schreien, betätigt sich als engagierter Bürger oder engagierte Bürgerin?

Vom Privatmann zum Schimpfwort

Die negative Konnotation war bereits im Griechischen angelegt, da Idiotes auch „in Staatsangelegenheiten unkundig“ bedeuten konnte, nicht im Sinne mangelnder Intelligenz, sondern mangelnder Zuständigkeit. Über das Lateinische idiota (= „Laie, Unkundiger“) wanderte das Wort in alle europäischen Sprachen und wurde dabei stetig abgewertet: Im ersten deutschen Fremdwörterbuch von 1571 stand bereits „unnütz, der niemand als ihm selbst nützt“. Die heutige Bedeutung als Schimpfwort für geistige Beschränktheit ist damit das Endprodukt einer langen semantischen Abwärtsspirale, die ihren Ausgangspunkt im politischen Desinteresse des antiken Athens nimmt.

Und nun wieder zum eigentlichen Thema …

Theaterbesuch und spätere Ausweitung (etwa 365 v. Chr.)

Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde das Prinzip weiter ausgedehnt: Um 365 v. Chr. wurden auch für den Besuch des Theaters, das in Athen enge Verbindungen zur Bürgerreligion und zum politischen Leben hatte, Diäten eingeführt. Der sogenannte Theorikon (Schaufonds) subventionierte den Theaterbesuch und stellte sicher, dass auch arme Bürger an diesen gemeinschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen konnten.

ZeitraumBezahlte TätigkeitBetragInitiator
Vor etwa 462 v. Chr.Keine Bezahlung
etwa 462 v. Chr.Geschworene (Heliasten)2–3 Obolen/TagPerikles
etwa 462–450 v. Chr.Rat der 500 (Boule)TagegeldPerikles
etwa 390 v. Chr.Volksversammlung (Ekklesia)1 → 2 → 3 ObolenAgyrrhios / Herakleides
etwa 365 v. Chr.Theaterbesuch (Theorikon)Zuschuss

Politische Bedeutung der Diäten

Die Einführung der Diäten war eine echte soziale Revolution: Sie brach mit dem aristokratischen Ideal, nach dem nur Reiche die Zeit und Muße zur politischen Mitgestaltung hätten. Zum ersten Mal erhielt die politische Teilhabe einen messbaren wirtschaftlichen Wert; wer zur Volksversammlung ging, verlor keinen Tageslohn mehr. Kritiker wie der Komödiendichter Aristophanes sahen darin allerdings eine Gefahr der Korrumpierung, da ärmere Bürger nun möglicherweise nicht aus politischer Überzeugung, sondern wegen des Geldes teilnahmen. Insgesamt blieben die Beträge jedoch bescheiden: 3 Obolen entsprachen etwa einem halben Tageslohn eines einfachen Handwerkers und reichten kaum zum Leben; sie sollten verlorene Einnahmen ausgleichen, nicht zu Reichtum führen.

Finanzierung der Diäten im klassischen Athen

Gerichtsgebühren und Strafgelder

Für die älteste und bedeutendste Form der Diäten, die Richterbesoldung, gab es eine direkte Finanzierungsquelle: Die Tagesgelder für die Geschworenen wurden aus Gerichtsgebühren und Strafgeldern gespeist. Wer eine Klage einreichte, zahlte eine Gebühr (Prytaneion), und verhängte Geldstrafen flossen ebenfalls zurück in diesen Fonds. Das System war also zu einem gewissen Grad selbstfinanzierend.

Der Attische Seebund als Hauptfinanzier

Die entscheidende Finanzierungsgrundlage für die breit angelegte Diätenpraxis kam durch den Delisch-Attischen Seebund (gegründet 478/77 v. Chr.). Die Bündnisstaaten zahlten jährlich Tribute (Phoros) nach Athen, zunächst für den gemeinsamen Kampf gegen die Perser. Als 454 v. Chr. die Seebundskasse von Delos nach Athen verlegt wurde, hatte Athen faktisch freien Zugriff auf diese enormen Mittel. Ein Sechzigstel jedes Mitgliedsbeitrags ging direkt an die Schutzgöttin Athene, der Rest stand dem athenischen Staat zur Verfügung, auch für politische Ausgaben wie Diäten und das monumentale Bauprogramm der Akropolis. Die attische Demokratie in ihrer vollen Entfaltung war damit wesentlich auf die Tributzahlungen der Verbündeten angewiesen; Kritiker nannten Athen deshalb offen ein „Reich“, das seine eigene Demokratie auf Kosten unterworfener Poleis finanzierte.

Ordentliche Staatseinnahmen

Daneben flossen auch reguläre Staatseinnahmen in die Diätenkasse: Zölle auf den florierenden Handel im Piräus, die Metökensteuer (Metoikion) der in Athen lebenden Ausländer sowie Einnahmen aus dem staatlichen Bergbau in Laureion (Silberminen). Diese Silberminen hatten bereits Themistokles 483 v. Chr. genutzt, um die athenische Flotte zu finanzieren; später sorgten sie dauerhaft für staatliche Liquidität.

Der Theorikon-Fonds

Im 4. Jahrhundert v. Chr., also nach dem Niedergang des Seebundes, wurde ein speziell verwalteter Schaufonds (Theorikon) eingerichtet, aus dem nicht nur der Theaterbesuch, sondern auch andere Bürgerbeteiligungen subventioniert wurden. Dieser Fonds wurde zum politischen Streitthema: Der Redner Demosthenes kritisierte scharf, dass Geld, das eigentlich für die Landesverteidigung gebraucht wurde, stattdessen für Bürgerzuschüsse verwendet wurde.

Der strukturelle Widerspruch

Die Finanzierung der Diäten offenbart einen grundlegenden Widerspruch der athenischen Demokratie: Je mehr Bürger an der Demokratie teilnahmen und je mehr Diäten gezahlt wurden, desto mehr war Athen auf externe Einnahmen angewiesen, sei es durch Bundesgenossenbeiträge oder Handelszölle. Mit dem Ende des Seebundes nach der Niederlage im Peloponnesischen Krieg (404 v. Chr.) geriet die Finanzierungsbasis erheblich unter Druck, was die athenische Demokratie des 4. Jahrhunderts vor erhebliche Haushaltsprobleme stellte.

Danke Wikipedia für dein umfangreiches Wissen!

Wer sich an der Ausgestaltung des griechisch-byzantinischen Fantasy-Landes Chryseia in der Welt Magira, immerhin der ältesten Fantasy-Welt Deutschlands, beteiligen möchte, kann sich gerne bei mir melden.

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